
Bei der Retusche mischen Sie keinen beliebigen Farbton, sondern Sie stellen sich auf eine gebrannte Aufglasurfarbe aus Metalloxiden und Glasmasse ein. Beim Muster folgen Sie einer Vorlage und der Richtung des Dekors, anstatt die Lücke frei zu erfinden.
Warum Retuschefarbe anders sitzt als Aquarell
Porzellanmalerei ist die manuelle Verzierung von Porzellangegenständen mit Bildern und Ornamenten, ausgeführt mit speziellen Porzellanfarben und verschiedenen Arbeitstechniken und Werkzeugen. Sie diente ursprünglich zur Verzierung von Gebrauchsporzellan, später kamen Ziergegenstände hinzu, und Stil, Motive und Objektarten wie Geschirr, Ziergefäße, Puppenköpfe, Pfeifenköpfe oder Dosen veränderten sich im Laufe der Epochen. Im Gegensatz zur Ölmalerei weist sie eine hohe Beständigkeit der Farben sowie eine Brillanz auf, die Alterung, Licht, Hitze und Luftfeuchtigkeit standhält. Der Grund liegt in der Farbe selbst. Als Porzellanfarben verwendet man Metalloxide, die in eine spezielle Glasmasse als Trägermaterial eingeschmolzen werden, wobei die Glasmasse bei der vorgesehenen Brenntemperatur ausreichend flüssig wird, ohne zu stark zu zerfließen. Die Masse wird zu Pulver gemahlen und mit einem Bindemittel aus Ölen und Terpentin vermischt, damit die Farben mit einem Pinsel aufgetragen werden können. Das Bindemittel wird beim Brennvorgang rückstandslos verbrannt. Ihrer Retusche fehlt dieser Brand. Sie liegt auf Glasur oder auf einer Ergänzung mit geschlossenem Aufbau und schon deshalb prüfen Sie Glanz und Kante im Streiflicht, bevor Sie den Ton bewerten.
Was bedeuten Unterglasur und Aufglasur für Ihre Mischung?


Man unterscheidet zwischen Unterglasurmalerei und Aufglasurmalerei. Für die Unterglasurmalerei eignen sich nur wenige Farben. Mit Aufglasurfarben stehen hingegen alle Farbnuancen zur Verfügung. Die Herstellung der Porzellanfarben ähnelt der Herstellung von Emaillefarben. Für Ihre Farbmischung heißt das: Klären Sie zuerst, wo das Muster liegt. Liegt Blau unter einer glatten Glasurhaut, folgt es einer engen Palette. Liegt ein Blumenstrauß auf der Glasur, folgt er einer weiten Palette mit feinen Abstufungen. Verwechseln Sie beide Ebenen, wirkt die Mischung sofort fremd, weil Deckung und Tiefe nicht zur Umgebung passen. Die Frühzeit des europäischen Porzellans zeigt, wie stark sich Kunden an bekannten Motiven orientierten, zuerst an chinesischen Dekorationen des importierten Porzellans, die man als Chinoiserien bezeichnete, dann an der Blumenmalerei der Anfangszeit in Meißen, die andere Manufakturen aus Geschäftsinteresse kopierten und als Meißener Blumen bezeichneten. Schauen Sie also auf Epoche und Objekt. Teller mit Blumenmalerei wurden zunächst für den Gebrauch hergestellt, heute gelten sie als Sammlerstücke, und gerade an Tellern sehen Sie, wie Fahne, Spiegel und Rand unterschiedliche Farbdichten tragen.
Wie tragen Sie Farbe so fein auf wie ein Porzellanmaler?
Das Auftragen der Porzellanfarben erfolgt mit sehr feinen Pinseln, bei der Lupenmalerei auch mit Einhaarpinseln. Für alle Darstellungen verwendete man Malvorlagen. In den Manufakturen gibt es große Archive mit Druckgrafiken, Kopien von Gemälden und Dekorvorlagen. Porzellanmaler fertigten auch selbst Vorlagen an, um ihre Motive öfter zu verwenden, daneben gab es Angestellte, die ausschließlich als Vorlagenmaler tätig waren. Für Dekorvorlagen beschäftigte man Spezialisten, für Vedutenvorlagen wurden Vorlagenmaler sogar auf Studienreisen geschickt. Für die Übertragung bildlicher Darstellungen hat man optische Geräte nach dem Prinzip des Episkops verwendet. Durch die Projektion auf die gekrümmten Flächen von Vasen und Tassen lässt sich die oft sichtbar verzerrte Darstellung der Malereien erklären. Daraus leiten Sie Ihre Handhaltung ab. Sie malen dünn in kleinen Strichen entlang der Krümmung, nicht quer dazu. Sie prüfen die Linie mit der Lupe, weil erst die Vergrößerung zeigt, ob der Strich geschlossen ist. Die kunsthandwerkliche Ausbildung zum Porzellanmaler kann bis zu zehn Jahre dauern, und einige Maler wurden bekannte Ölmaler und sogar Professoren an Kunstakademien. Diese Zeit erklärt, warum Zurückhaltung beim ersten Auftrag schützt.
Wie gleichen Sie ein Blumenmuster an, ohne zu erfinden?
Die Blumenmalerei auf Porzellan ist der Haupterwerbszweig jeder Porzellanmanufaktur. Man malte nach Vorlagen, die von Vorlagenmalern, aber auch von den Porzellanmalern selbst erstellt wurden. Neben einzelnen Blumen und Blumensträußen gab es spezielle Dekore wie deutsche Blumen, indianische Blumen, Strohblumenmuster, Holzschnittblumen, Marcolini-Blumen, manieristische Blumen, Streublümchen, naturalistische Blumen, Wiesenblumen oder Zwiebelmuster. Die botanische Malerei ist die exakte Darstellung einer einzelnen Pflanze, von Blumen, Früchten oder Baumzweigen, wie sie in Herbarien zur Pflanzenbestimmung verwendet wird. Diese auf Porzellan gemalten Vorlagen übertreffen die Darstellungen auf Papier, weil auf Porzellan weit feiner gemalt werden kann als dort. Die Wikipedia-Seite nennt keine Mischverhältnisse für einzelne Farbtöne. Sie gleichen das Muster an, indem Sie Stielrichtung, Blattstellung und Streuung aus dem erhaltenen Bestand übernehmen, wie die manuelle Verzierung mit Porzellanfarben sie überliefert. Auf Blumentellern finden Sie häufig gemalte Insekten und Schmetterlinge, die zum Rhythmus des Dekors gehören. Ergänzen Sie nur, was die Vorlage hergibt und lassen Sie lieber eine ruhige Stelle stehen, als eine neue Blüte zu erfinden, die es auf dem Service nie gab.
Warum braucht Gold eine eigene Entscheidung?
Dekore und Ornamente als Verzierung gab es schon im alten China. Alles, was auf Porzellan gemalt wird, dient der Verzierung. Die Motive sind meist stilisierte Pflanzenteile wie Rankenwerk und Blattwerk, aber auch Mäander und Kringel. Die Ausstattung von Porzellan mit Ornamenten ist ein eigenes Fachgebiet der Porzellanmalerei. Für die Vergoldung gab es eine eigene Berufsgruppe, die Vergolder. Durch den Umgang mit den sehr giftigen Chemikalien war ihre Lebenserwartung deutlich geringer. Das aufgetragene Gold war nach dem Muffelbrand matt. Man konnte es mit einem Achatstift polieren und damit auch glänzende Ornamente im matten Gold erzeugen, was man als Poliergold und Radiergold bezeichnet. Nach achtzehnhundertdreißig konnte man Glanzgold ohne es zu polieren erzeugen, das aber weniger abriebfest war. Fast alle bildlichen Darstellungen sind mit Ornamenten umrahmt. Bei Tellern sind die Fahnen und bei Tassen die Henkelseite aufwendig mit Ornamenten dekoriert. Behandeln Sie Gold deshalb getrennt von der Farbmischung und lesen Sie zum Umgang mit Goldauflagen auf Keramik nach, wie sich matte und glänzende Zonen verhalten. Mattes Gold schluckt Licht, poliertes meldet jede Kante und ein durchgehender Glanzstreifen über eine matte Rahmung wirkt sofort als Fremdkörper.
Wann hilft ein Umdruck und wann stört er?
Um dasselbe Motiv von einer Vorlage leichter mehrfach zu übertragen, verwendete man ein Umdruckverfahren, mit dem man die Umrisse des Motivs auf das Porzellan übertrug und danach die farbliche Malerei manuell ausführte. Die Vorlagen sind seitenverkehrt, damit sie nach der Übertragung seitenrichtig erscheinen. Diese Technik wurde bereits im achtzehnten Jahrhundert eingeführt. Im zwanzigsten Jahrhundert konnte man Porzellan auch farbig bedrucken. Dadurch wurden die Produkte zwar preiswerter, aber weniger wertvoll. Heute kann man eigene Fotografien, auch die von alten Porzellanmalereien, auf Porzellan übertragen lassen. Um den Unterschied zum handbemalten Porzellan zu erkennen, braucht man Expertenkenntnisse und eine Lupe. Das Verfahren, Fotos auf Porzellan zu übertragen, nannte man damals Chromatografie. Zur Bildübertragung verwendete man eine Schicht aus Chromatgelatine, in der die Porzellanfarbe bereits eingebettet war. Damit lassen sich Farbfotos auf Porzellan übertragen. Im Muffelbrand verbrannte die Gelatine rückstandslos. Diese Technik wird auch verwendet, um Fotoporträts auf Porzellanplaketten für Grabbilder herzustellen. Heute kann man Porzellanfarben mit einem Computer und einem speziellen Drucker auf das Umdruckpapier drucken und bei flachen Porzellanplatten direkt auf das Porzellan. Für Sie heißt das: Klären Sie unter der Lupe zuerst, ob die Kontur gedruckt oder gemalt ist. Eine gedruckte Kontur verlangt Zurückhaltung, weil jeder handgesetzte Strich darüber als Doppelzeichnung sichtbar bleibt.
Wie prüfen Sie Stil, Porträt und Beizeichen vor dem letzten Strich?
Die Porzellanmaler verwendeten für ihre Tätigkeit Malvorlagen, und deshalb entspricht der Kunststil dem der Vorlagen. Man richtete sich bei der Auswahl nach dem, was man am besten verkaufen konnte, also nach den Kundenwünschen. Als Malvorlagen verwendete man auch die Ölgemälde alter Meister. In den Vorlagensammlungen der Manufakturen gab es große Bestände an Druckgrafiken aus allen Jahrhunderten, deshalb haben die Porzellanmalereien auch Stilmerkmale verschiedener Jahrhunderte. Es gab Services im etruskischen Stil und viele andere. Bei Dekoren und Ornamenten verwendete man alles, was man aus vergangenen Epochen und der jeweiligen Gegenwart fand. So entstanden Klassizismus und Historismus. König Friedrich der Zweite nahm Einfluss auf die Gestaltung des Porzellans für seine eigene Manufaktur, und vergab Namen wie Reliefzierrathen und Neuzierrath, die bis heute produziert werden. Daraus entstand die Bezeichnung Friderizianisches Rokoko. Im Handel wird die Bezeichnung Weichmalerei für im Jugendstil hergestellte Blumenmalerei verwendet. Es werden keine grellen Farben verwendet, sondern nur blasse, helle Farbtöne. Modernes Porzellan der Manufakturen wird kaum noch bemalt, sondern meist bedruckt. Man kann heute bemaltes Porzellan von privaten Porzellanmalern erwerben, die das Weißporzellan einkaufen und selbst bemalen. Porträts bekannter Persönlichkeiten findet man häufig auf Tassen, aber auch auf Vasen und Porzellanplatten. Für Porträts wurden Gemäldekopien und Druckgrafiken als Vorlage verwendet, und nach der Erfindung der Fotografie konnte man auch Fotos verwenden. Tierdarstellungen reichen von Insekten bis zu einem Service mit unterschiedlichen Flusspferden auf vielen Teilen, das in Kopenhagen nach Fotografien als Auftragsarbeit hergestellt wurde. Wappendarstellungen wurden auf Bestellung für Adelshäuser und Firmen hergestellt. Legen Sie das Stück bei Tageslicht neben einen unbeschädigten Bereich derselben Form, vergleichen Sie Verlauf, Stilhöhe und Glanz aus normalem Betrachtungsabstand und führen Sie erst dann den letzten Punkt entlang der vorhandenen Vorlage aus.
