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Marken, Pflege und Aufbewahrung im Überblick
Scherbe und Naht · · 2 Beiträge
Der Wissenshub zu Marken, Datierung, Pflege und Aufbewahrung hilft Erben und Sammlern, Geschirr einzuordnen und Vitrinenstücke sicher zu bewahren.

Du erbst Teller, du kaufst auf dem Flohmarkt eine Figur, und du willst wissen, wer sie gemacht hat und aus welcher Zeit sie kommt. Die Unterseite gibt dir die Antwort, wenn du Fabrikmarke, Zusatzzeichen und Stempelfarbe richtig liest und mit zwei festen Jahresgrenzen abgleichst.
Was bedeutet Bodenmarke genau
Eine Porzellanmarke heißt auch Keramikmarke, Handelsmarke oder Bodenmarke. Sie ist ein markenrechtlich geschütztes Zeichen, das den Hersteller ausweist und in der Regel auf der Unterseite von Porzellanwaren und Keramiken aufgetragen ist. Das Zeichen ist eindeutig und unterscheidet sich damit von anderen Zeichen, die du auf Scherben und Böden findest.
Du solltest die eigentliche Marke deshalb von Beizeichen trennen. Die Fabrikmarke nennt den Herstellerbetrieb und bildet die eigentliche Porzellan- oder Keramikmarke. Daneben stehen Handelsmarke, Eigentumsmarkierung, Malerzeichen, Nummern und Hinweise auf Schutzrechte, die jeweils eine andere Frage beantworten und anders zu bewerten sind.
Warum befindet sich das Zeichen fast immer unten
Der Boden trägt das Zeichen, weil er beim Gebrauch und beim Zeigen verdeckt bleibt und weil er in der Herstellung gut erreichbar ist. Du drehst das Stück also zuerst um, bevor du Dekor, Glasur oder Fußring beurteilst. Wenn du Bodenstempel lesen und einordnen willst, hilft dir diese Reihenfolge, sauber zu arbeiten und nichts zu übersehen.
Frühe Hinweise in Form besonderer Zeichen finden sich bereits auf römischer Keramik und auf frühem chinesischem Porzellan. In Europa beginnt die eigentliche Bemarkung aber erst mit der Einführung des Porzellans, also ab etwa 1720. Für deine Einordnung heißt das, dass du europäische Bodenmarken in der Regel in der Zeit nach 1720 verortest.
Blau gepinselt oder grün gestempelt: Woran erkennst du die Zeit
In den folgenden 90 Jahren, also bis etwa 1810, wurden die Marken in Blau mit dem Pinsel, meist unter der Glasur, von Hand aufgetragen. Du erkennst diese Stufe an leicht unruhigen Linien, an kleinen Unterschieden von Stück zu Stück und an dem ruhigen Blau unter einer klaren Glasurhaut. Ab 1810 kamen dann auch Gummistempel zum Einsatz, oft in grüner Farbe, da sie sich wegen ihrer Dünnflüssigkeit etwas leichter stempeln ließ.
Für dich ist der Wechsel von Pinsel zu Stempel ein praktischer Filter beim Sortieren eines Nachlasses. Ein blau gepinseltes Zeichen unter der Glasur spricht für die frühe europäische Phase, ein grüner Gummistempel spricht für die jüngere Arbeitsweise nach 1810. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde es Brauch, auch Dekornamen zusätzlich zur eigentlichen Fabrikmarke anzubringen, sodass du dann zwei Ebenen liest, nämlich Betrieb und Dekor.
1887 als Grenze für deine Datierung
Eine wichtige Datierungsgrenze ergibt sich durch die Einführung des britischen Handelsmarkengesetzes von 1887. Danach musste auf allen Importwaren das Herkunftsland genannt werden. Das geschah auf deutschem Porzellan meist mit dem Stempel Made in Germany oder nur mit Germany. Porzellane, die diesen Zusatzstempel zeigen, stammen demnach aus einer Produktion nach 1887.
Du kannst diese Regel beim Sichten direkt anwenden, weil der Zusatzstempel meist als Aufdruck neben der Fabrikmarke steht. Fehlt er, sagt das allein noch wenig, denn das Stück kann für den Inlandsmarkt bestimmt gewesen sein. Im Jahr 1874 wurde in Deutschland das Gesetz über Markenschutz erlassen, und ab diesem Zeitpunkt wurde die Erforschung der Marken erheblich erleichtert, was dir heute die Zuordnung älterer Böden vereinfacht. Eine Übersicht mit Bodenmarken bekannter Manufakturen zeigt dir, wie unterschiedlich diese Zeichen in Form und Schrift ausfallen.
Welche Zeichen neben der Fabrikmarke stehen können
Die Handelsmarke bezeichnet einen Auftraggeber, einen Vertrieb, einen Händler oder Ähnliche und nennt damit nicht den Hersteller. Die Eigentumsmarkierung ist eine zusätzliche Markierung wie beispielsweise von einem Fürstenhaus, der Luftwaffe, von Hotelketten oder anderen Eigentümern. Du liest sie als Hinweis auf Nutzung und Auftrag, nicht als Beleg für die Werkstatt.
Bei handbemalten Stücken ist das Malerzeichen ein Zeichen des jeweiligen Porzellanmalers in Form eines vollen Namens, dazu kommt das Malermonogramm. Ziffern für betriebsinterne Zwecke stehen oft in roter oder goldener Farbe, zumeist zur Stückzählung, Entlohnung oder ähnlichen Gründen. Der Entwerfername ist eine Signatur des jeweiligen Designers der jeweiligen Porzellanserie oder auch eines Einzelstückes, und dazu tritt der Bossierername aus der Formabteilung.
Weiter helfen dir Formnummer oder Modellnummer als spezielle Nummern, zum Teil mit Größenindikator, bei in die Form gegossenen Stücken, die Dekorbezeichnung als spezielle Bezeichnung, wenn auf die gleiche Grundform verschiedene Verzierungen aufgebracht wurden, und die Größenziffer als spezielle Nummer, wenn eine Form in unterschiedlichen Größen auf den Markt gebracht wurde. Das Qualitätszeichen ist eine besondere Markierung zur Kennzeichnung einer Qualitätsstufe wie beispielsweise II. Wahl. Hinweise auf Schutzrechte erkennst du durch Aufdrucke wie Gesetzlich geschützt, Déposé, D. R. P. und DBP für deutsches Reichs- beziehungsweise Bundespatent oder DBP angem. für angemeldetes Patent.
Unter der Glasur oder darauf: Wie die Technik das Bild verändert
Unterglasurmarken sind meist in blauer, schwarzer oder auch grüner Unterglasurfarbe gehalten. Die Ritzmarke wird mit einem Griffel in die noch weiche Masse eingeritzt. Die Pressmarke wird mit einem Prägestempel in die noch weiche Masse eingedrückt. Die Pinselmarke wird mit einem Pinsel und Farbe nach dem ersten Brand aufgemalt. Die Stempelmarke wird mit einem Farbstempel vor dem Glasurbrand aufgestempelt. Ein Abziehbild zur Porzellanmarkierung findet vor allem bei komplizierten Markenzeichen und bei Großserien Verwendung.
Aufglasurmarken werden meist in Aufglasurfarben aufgebracht, die einen guten Kontrast zum Untergrund bilden. Ebenso können sie in Glanzgold und sehr selten in Poliergold ausgeführt sein. Die Pinselmarke wird mithilfe eines Pinsels nach dem Glasurbrand aufgemalt. Die Stempelmarke wird mit einem Stempel nach dem Glasurbrand aufgestempelt. Für Abziehbilder gilt das Gleiche wie bei Unterglasurmarken. Wenn du Vitrinenstücke ruhig lagern möchtest, betrachtest du diese Technikspuren zuerst mit Ruhe, weil jede Berührung am Boden Gold und Aufdruck abtragen kann.
Wann misstraust du einer Marke
Die Fabrikmarke ist schon oft gefälscht worden, und Markenfälschungen und Nachahmungen kamen schon sehr frühzeitig auf, wobei besonders die beliebten und daher zumeist teuren Porzellane gefälscht wurden. Genannt werden so unter anderem die Marken Meißener Porzellan, Manufacture royale de porcelaine de Sèvres und Capo di Monte. Du prüfst bei diesen Namen besonders streng, ob Strich, Farbe und Lage zur behaupteten Zeit passen.
Heute werden vorrangig Billigporzellane aus Asien als Geschenkware importiert und mit Phantasiemarken versehen auf Antikmärkten als Sammlerstücke angeboten. Dabei werden dann Fälschungskopien zunehmend durch Stilfalsifikate ersetzt. Beispiele aus der deutschen Produktion wie Meißner Porzellan ab 2009, Königliche Porzellanmanufaktur Berlin, Höchster Porzellanmanufaktur, Porzellanmanufaktur Ludwigsburg, Wallendorfer Porzellan ab 1964, Rosenthal um 1900, Arzberg in den 1950er- und 1960er-Jahren oder Sorau C. und E. Carstens um 1930 zeigen dir, wie eng Form, Schrift und Zeitraum zusammengehören. Weitere Namen wie Spode aus Stoke-on-Trent, Carl Tielsch aus Altwasser, Royal Copenhagen, Porzellanfabrik Fraureuth, Steingutfabrik Pätsch und Bauscher als Eigentumsmarkierung für die Betriebskantine des Deurag-Nerag-Werkes helfen dir, Handelswege und Nutzungen zu trennen.
Lege das Stück auf eine weiche Unterlage, fotografiere den Boden bei seitlichem Tageslicht, notiere Farbe, Technik und jeden Zusatztext und vergleiche erst danach Linie für Linie mit einer verlässlichen Tafel.
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Wissen und PflegeBodenmarken lesen und einordnen
Bodenmarken und Stempel entschlüsseln: Manufakturen, Malerzeichen und Beizeichen vergleichen und Geschirr aus Nachlass und Sammlung zeitlich einordnen.

Vitrinenstücke richtig aufbewahren
Vitrinen und Schränke richtig nutzen: Licht begrenzen, Staub fernhalten und Klima stabil halten, damit Porzellan, Glas und Golddekor lange bewahrt bleiben.