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Scherbe und NahtPorzellan, Keramik und Glas verstehen

Glas

Pokale und Trinkgläser pflegen

Die Redaktion von Scherbe und Naht ·

Reihe klarer Stielglaeser trocknet kopfueber auf Leinentuch am Fenster
Reihe klarer Stielglaeser trocknet kopfueber auf Leinentuch am Fenster.

Du erfährst hier, wie du Trinkgläser aus Bleiglas mit ruhiger Handwäsche und trockener Lagerung schonst und warum Füllgut, Temperatur und Oberfläche über dein Vorgehen entscheiden. Die kurze Antwort lautet: Du reinigst sie ohne Scheuern und ohne langes Liegenlassen, du lässt Getränke nicht über Stunden im Glas und du stellst die trockenen Pokale staubarm und stoßsicher ab.

Was hältst du eigentlich in der Hand?

Wenn du einen Pokal aus dieser Familie anhebst, hältst du Bleiglas, kein gewachsenes Mineral. Der Name klingt nach Kristall, doch der Werkstoff ist Glas, also ein Feststoff ohne Kristallgitter. Das erklärt, warum du es wie Glas und nicht wie Stein pflegst. Du rechnest mit glatter oder geschliffener Wand, mit Kanten, die Licht fangen, und mit einer Oberfläche, die Kratzer zeigt, sobald du sie über Stein oder Metall ziehst. Der Werkstoff entsteht aus Quarzsand, Pottasche und Bleimennige und dient auch als Schmuckglas, unter anderem als Nachbildung von Strasssteinen. Im Haushalt bezeichnet dieselbe Masse Trinkgläser für Wein und Sekt, daneben Karaffen, Schalen, Dosen, Vasen, Kerzenleuchter und Kuchenplatten. Für dich bedeutet das: Dein Pokal gehört zu einer Gruppe von Gebrauchsformen, die auf Glanz und klare Wand angelegt sind.

Warum fängt dein Glas das Licht so ein?

Haende polieren mit Wasser und rotierender Scheibe den Rand eines klaren Glasgefaesses
Haende polieren mit Wasser und rotierender Scheibe den Rand eines klaren Glasgefaesses.
Kleine Porzellanfigur mit sichtbarem Bruch auf Seidenpapier im hellen Atelier
Kleine Porzellanfigur mit sichtbarem Bruch auf Seidenpapier im hellen Atelier.

Du bemerkst den Glanz zuerst am Schliff und an der Kante. Das Glas bricht Licht stärker als herkömmliches Glas, deshalb wirken Facetten und Ränder hell und tief zugleich. Du pflegst also nicht nur Sauberkeit, du erhältst eine optische Wirkung. Staub und angetrocknete Tropfen mindern genau diesen Effekt, noch bevor du Kratzer siehst. Darum lohnt der Blick gegen das Fenster nach dem Trocknen: Du erkennst Schleier sofort und kannst nacharbeiten, solange das Glas in deiner Hand bleibt. Du vermeidest dabei harten Kontakt mit Becken aus Metall oder Stein, weil jede Schramme das Licht anders streut. Die Wikipediaseite nennt keine Spülzeiten und keine Pflegemittel. Du bleibst deshalb bei kurzer Berührung mit Wasser und Füllgut und bei ruhigem Abstellen ohne Stapeln.

Welche Oberfläche pflegst du?

Du hast entweder Schliff oder glatte Wand in der Hand, und beide verlangen ruhige Bewegung. In Deutschland wird Bleikristall inzwischen auch industriell gefertigt, indem das Glas maschinell gepresst oder in Formen geblasen wird. Dabei entsteht schon die typische Form und der Schleifvorgang entfällt. Die Oberfläche wird danach in Fluorwasserstoffsäure geätzt, was als Säurepolitur bezeichnet wird. Für glatte Gläser ohne Schliff kommt auch die Feuerpolitur zum Einsatz, die günstiger und umweltfreundlicher ist und die Gläser durch gleichmäßiges Erhitzen der Oberfläche glättet. Für deine Pflege von Glas mit Schliff und Politur folgt daraus eine einfache Haltung: Du reibst nicht auf Hochglanz, du trägst Glanz nicht ab, du lässt die Politur in Ruhe. Du führst das Glas einzeln, du stößt den Kelch nicht an Hahn und Rand, und du setzt es weich ab.

Warum entscheidet das Füllgut über die Standzeit?

Du bestimmst mit Temperatur, Säure und Lösungsanteil, wie stark du das Glas forderst, wie die Erklärung der Bezeichnung Bleikristall im Zusammenhang mit Abgabe und Prüfung zeigt. Blei ist gesundheitsschädlich, und es ist prinzipiell möglich, dass Bleikristallgläser geringe Mengen Blei an die darin aufbewahrten Lebensmittel abgeben. Ob dies in relevanten Mengen geschieht, hängt vor allem von der Qualität der Gläser, also der Genauigkeit des Produktionsprozesses, und von der Beschaffenheit der Substanz ab, die mit dem Glas in Berührung kommt, zum Beispiel Temperatur, pH-Wert und Lösungsmittelkonzentration. Deshalb untersuchen die zuständigen Behörden in regelmäßigen Abständen Produkte aus Bleikristall auf die Löslichkeit des darin enthaltenen Bleis, wobei die meisten Proben keine gesundheitlich relevanten Mengen Blei abgeben. Du ziehst daraus eine ruhige Regel für den Alltag: Du nutzt den Pokal zum Servieren und Trinken, nicht als Flasche für Tage, und du leerst ihn nach dem Gebrauch.

Wie passt Handarbeit zu deiner Handwäsche?

Du erkennst farbige Pokale an zwei verschiedenen Herstellungsweisen, und beide reagieren empfindlich auf Scheuern. Die günstigere Methode ist das Bemalen der Gläser mit speziellen Farben, die durch einen anschließenden Brennvorgang dauerhaft mit dem Glas verbunden bleiben. Hochwertige farbige Gläser entstehen in der sogenannten Überfangtechnik. Dabei wird das transparente Glas während der Fertigung mit andersfarbigem, flüssigem Glas überzogen und anschließend in Form gebracht. Durch das teilweise Wegschleifen der farbigen Außenfläche nach dem Erkalten entstehen bunte Glasstrukturen. Derartige Gläser sind oft in Handarbeit hergestellt und dementsprechend teuer. Du behandelst diese farbige Haut wie Dekor: Du kratzt nicht an Kanten und Mustern, du reibst nicht mit Korn und Bürste, du wischst in Richtung der Form und nicht gegen den Schliff.

Wo stehen Pokale ruhig zwischen den Festen?

Du lagerst trocken, dunkel genug und ohne Druck von außen. Nach dem Spülen lässt du das Wasser ablaufen und stellst das Glas luftig mit Platz um den Kelch auf, bis innen und außen trocken sind. Erst dann kommt es in den Schrank oder die Vitrine, wo es weder Staub ansetzt noch an die Nachbarn stößt. Kelche gehören nicht ineinander, Füße nicht auf Ränder, und schwere Dosen, Vasen oder Kuchenplatten aus demselben Werkstoff gehören nicht auf zarte Stiele. Auch Schmuck und Schmuckgegenstände wie Büsten, Miniaturmodelle und Kristallbehang von Kronleuchtern bestehen aus Bleikristall, doch sie verlangen eigene Plätze, weil jede Berührung zwischen ungleichen Formen Reibung schafft. Für deine Aufbewahrung in der Vitrine mit wenig Licht und Staub gilt deshalb: Du gibst jedem Pokal einen eigenen Stand, mit Abstand zum nächsten Glas und mit freiem Zugriff für die nächste Entnahme.

Was verrät die Herkunft über deine Stücke?

Du verstehst manchen Pokal besser, wenn du seine Landschaft kennst. Bleikristall stammt traditionell aus dem Gebiet des Böhmerwaldmassivs, also aus dem Grenzgebiet zwischen Bayern und Tschechien. Erfunden wurde es im Isergebirge, wo es auch heute noch in Manufakturen hergestellt wird. Auf deutscher Seite befinden sich die Zentren der Bleikristallherstellung im Bayerischen Wald sowie im Oberpfälzer Wald. Der Grund für die Konzentration in diesen Waldgebirgen ist neben den Quarzvorkommen darin zu sehen, dass es hier Holz für den erforderlichen hohen Holzverbrauch bei der Glasherstellung gab, insbesondere für die Herstellung der Pottasche. Für dich heißt das: Neben industriell gepressten oder geblasenen Gläsern können dir mundgearbeitete Stücke begegnen, deren Schliff und Überfang leichte Spuren von Handarbeit zeigen. Nimm dir beim nächsten Einsortieren jedes Glas einzeln in die Hand und stelle es erst ab, wenn Fuß, Kelch und Rand frei stehen und nichts wackelt.

Behutsamte Haende in Handschuhen richten zwei gebrochene Porzellanstuecke ueber gepolstertem Tisch
Behutsamte Haende in Handschuhen richten zwei gebrochene Porzellanstuecke ueber gepolstertem Tisch.