Zum Inhalt springen
Scherbe und NahtPorzellan, Keramik und Glas verstehen

Porzellan und Keramik

Porzellan restaurieren Schritt für Schritt

Die Redaktion von Scherbe und Naht ·

Behutsamte Haende in Handschuhen richten zwei gebrochene Porzellanstuecke ueber gepolstertem Tisch
Behutsamte Haende in Handschuhen richten zwei gebrochene Porzellanstuecke ueber gepolstertem Tisch.

Wenn an einer Tasse der Henkel fehlt oder ein Teller einen Sprung zeigt, stellen Sie zuerst eine einfache Frage: Was ist da und was fehlt? Der Weg von der Schadenaufnahme bis zur Retusche folgt genau dieser Ordnung. Sie schauen, sichern, fügen und ergänzen und gleichen erst ganz am Schluss Farbe und Glanz an. So bleibt die Arbeit ruhig und die Verbindung hält.

Sie erfahren hier, wie dieser Ablauf in großen Sammlungen gedacht wird und was Sie davon für ein einzelnes Stück zu Hause ableiten können. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg betreut Schlösser und Gärten mit ihrer Ausstattung als Raumkunstwerke und Einzelkunstwerke zugleich. Ihre Erhaltung, auch als Zeugnis der Geschichte, gilt dort als Aufgabe von unschätzbarer Bedeutung.

Was verstehen Profis unter Schadenaufnahme

Am Anfang steht das genaue Hinsehen bei gutem Licht. Sie drehen das Stück langsam, prüfen Rand, Wandung, Boden und Dekor und halten fest, wo Risse laufen und wo Kanten scharf oder bereits abgestoßen sind. Sie notieren, welche Scherben vorhanden sind und welche Lücke offen bleibt. Diese Liste bestimmt alles Weitere, denn jede Klebung und jede Ergänzung baut auf dieser ersten Einordnung auf. In der SPSG arbeiten über 50 Restauratorinnen und Restauratoren in neun Fachbereichen an solchen Aufgaben, unterstützt durch einen Naturwissenschaftler für analytische Untersuchungen und durch Fotografen für Dokumentation und Spezialaufnahmen.

Warum Geduld über Haltbarkeit entscheidet

Kleiner Keramikofen mit warmem Schein in dunkler Werkstatt und gestapelten Schalen daneben
Kleiner Keramikofen mit warmem Schein in dunkler Werkstatt und gestapelten Schalen daneben.
Restauratorin traegt mit feinem Pinsel Golddekor auf den Rand einer Porzellantasse auf
Restauratorin traegt mit feinem Pinsel Golddekor auf den Rand einer Porzellantasse auf.

Die Restaurierung von Kulturgütern erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Sachverstand sowie Liebe zum Detail und Geduld. Diesen Satz können Sie sinngemäß auf Ihren Küchentisch übertragen. Wer schnell klebt, verschiebt Kanten um einen halben Millimeter und zahlt dafür mit Spannung in der Fuge. Wer wartet, bis jede Scherbe trocken, staubfrei und richtig zugeordnet ist, gibt der Verbindung Zeit zum Tragen. Legen Sie alle Teile in der Reihenfolge des Bruchs aus und prüfen Sie den Sitz ohne Klebstoff, bevor Sie etwas fixieren. Wenn Sie Risse sichern und Scherben fügen, hilft diese trockene Probe mehr als jedes nachträgliche Korrigieren.

Wie hilft die Dokumentation vor dem ersten Griff

Fotografieren Sie den Bruch und die Rückseite, bevor Sie reinigen. Eine Aufnahme mit Maßstab und eine Nahaufnahme der Bruchkante zeigen später, wo Sie angesetzt haben und wie die Kante vorher aussah. In großen Häusern gehört diese Sicherung zum Alltag, denn dort arbeiten Restaurierung, Fotowerkstatt und Labor zusammen. Außerdem besteht dort eine intensive Zusammenarbeit mit Kunstwissenschaftlern und Denkmalpflegern. Gemeinsam wird geforscht, konserviert und restauriert, aber auch kopiert und rekonstruiert, um das kulturelle Erbe für nachkommende Generationen zu bewahren. Für Ihr Stück heißt das: Schreiben Sie kurz auf, was Sie sehen und was Sie vorhaben, und bewahren Sie den Zettel beim Stück auf.

Reinigung und Sicherung ohne Zeitdruck

Staub und alte Rückstände mindern den Halt, doch starkes Reiben schadet Glasur und Dekor. Arbeiten Sie trocken mit weichem Pinsel und prüfen Sie, ob sich Belag ohne Druck lösen lässt. Feuchte Arbeitsschritte wenden Sie nur zurückhaltend und mit Abstand zum Dekor an, danach lassen Sie das Stück vollständig trocknen. Die Seite der SPSG nennt keine Klebstoffe oder Temperaturen für diesen Schritt. Die Arbeit in den Fachbereichen zeigt die Richtung: erst untersuchen und sichern, dann verbinden. Diese Reihenfolge schützt dünne Ränder und verhindert, dass Schmutz in der Fuge eingeschlossen wird und später als dunkle Linie erscheint.

Kleben und Ergänzen als eigene Schritte

Beim Kleben zählt die lagerichtige Fügung. Sie setzen eine Scherbe nach der anderen, stützen das Stück so, dass kein Zug auf der frischen Naht liegt, und entfernen Überschuss sofort an der Kante, ohne die Glasur zu ritzen. Erst wenn alle vorhandenen Teile sitzen und ruhen, denken Sie über die Lücke nach. Eine Ergänzung baut Form auf, sie füllt keinen Spalt mit Gewalt. Sie modellieren die Fehlstelle in Schichten, gleichen Höhe und Wölbung an und lassen jede Schicht durchtrocknen, damit kein Verzug entsteht. Die Fülle der Kunstwerke in den Schlössern und Gärten wird in verschiedenen Fachbereichen betreut, darunter Porzellan, Keramik, Glas, daneben Gemälde und Rahmen, Skulpturen, Architekturfassung und Wandbild, Textilien, Holz, Papier, Metall und Präventive Konservierung.

Wann ist Kopie oder Rekonstruktion der richtige Weg

Manchmal ist das Original zu schwach für den Gebrauch und die alte Form soll trotzdem lesbar bleiben. Dann trennen große Sammlungen klar zwischen dem Erhalt am Objekt und dem Zeigen durch Ersatz. Kopieren und Rekonstruieren dienen dort dem Gesamtbild, damit ein Raum oder ein Ensemble wieder verständlich wird, ohne das geschwächte Stück zu belasten. Übertragen Sie den Gedanken auf Ihre Vitrine: Ein stark bestoßener Deckelknauf muss nicht am Objekt neu erfunden werden, wenn eine neutrale, abnehmbare Ergänzung das Bild beruhigt und die alte Substanz schont. Aktuelle Projekte der SPSG machen diese Haltung anschaulich, etwa das Stibadium an der Villa Liegnitz in Potsdam im Park Sanssouci von 2020 bis 2023 als Raumrestaurierung oder das Obere Konzertzimmer im Neuen Palais von 2020 bis 2028.

Wie schließt die Retusche die Arbeit ab

Die Retusche kommt zuletzt, wenn Form und Oberfläche stabil sind. Sie gleichen Linie, Muster und Glanzgrad in dünnen Gängen an, prüfen bei Tageslicht und mit Abstand und lassen Pausen zwischen den Gängen, damit das Auge neu urteilt. Weniger ist hier mehr, weil eine zurückhaltende Angleichung den Blick auf das erhaltene Dekor lenkt statt auf die Reparatur. Wenn Sie Linien und Farben angleichen, arbeiten Sie vom hellen Ton zum dunklen und vom großen Feld zur feinen Linie. Videos oder Blogbeiträge geben dort Einblicke in solche Arbeitsbereiche, etwa zur Wiederherstellung des Kronleuchters im Rittersaal von Schloss Rheinsberg mit einem neuen Arm aus Glas oder zum Paradebett im Schloss Charlottenburg und im Neuen Palais.

Woran prüfen Sie Ihr Ergebnis vor dem Zurückstellen

Stellen Sie das Stück einen Tag beiseite und schauen Sie erneut. Ob die Kontur ohne Stufe umläuft, ob die Ergänzung ohne Schattenfuge schließt und ob die Retusche nur dort trägt, wo die Form schon stimmt. Prüfen Sie Stand und Griff, ob nichts kippelt, ob keine Kante reibt und ob kein Staub in frischer Farbe liegt. Auch abgeschlossene Vorhaben wie der Campanile der Friedenskirche Sanssouci, 2024 abgeschlossen, das Kleine Schlafzimmer im Oberen Fürstenquartier, 2022 abgeschlossen, und die Skulpturen an den Neuen Kammern, 2021 abgeschlossen, zeigen denselben Gedanken in großem Maßstab. Richten Sie danach die Aufbewahrung ein, mit festem Platz, Abstand zu Kanten und Schutz vor Stoß und Licht, und halten Sie Ihre Fotos und Notizen beim Stück.

Haende polieren mit Wasser und rotierender Scheibe den Rand eines klaren Glasgefaesses
Haende polieren mit Wasser und rotierender Scheibe den Rand eines klaren Glasgefaesses.